Wenn unsere Seite des Erdball in den Kernschatten eintaucht, wird es dunkel um uns herum. Im Mittelalter gab es nächtliche Ausgangssperren, bis ins 19. Jahrhundert wurden Stadttore und Häuser zum Schutz der Stadtbewohner verriegelt. Der Schatten der Nacht löst bei Menschen seit jeher Unbehagen aus, sei es die Furcht vor Geistern, wilden Tieren, Einsamkeit oder inneren Dämonen. Die Nacht kann aber auch befreien – von den Regeln des Tages, den Blicken der anderen, den Gesetzen der Realität.
Of Darkness – Eine Chorfantasie nimmt uns mit auf eine gleichermaßen emotionale wie wissenschaftliche Reise von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Hier erklingen große romantische Motetten von Brahms und Reger, die den ohnmächtigen Schlaf als des Todes Bruder thematisieren, neben intimen Kinder- und Wiegenliedern und zeitgenössischen Kompositionen. Erkenntnisse aus der Traumforschung wechseln schlagartig mit erzählerischen Episoden. Raumgreifende Soundscapes und Visuals – produziert von Valerij Lisac – bilden in der Weite des romanischen Kirchenraums den optischen Rahmen für die dunkle Schwester des Tages, geheimnisvoll und mächtig.
Eric Whitacre (*1970)
Lux Aurumque
Josef Rheinberger (1839–1901)
Abendlied
Fanny Hensel (1805–1847)
Abendlich schon rauscht der Wald
Maurice Ravel (1875–1937)
Nicolette
Johannes Brahms (1833–1897) / Clytus Gottwald (1925-2023)
Nachwache I
Guten Abend, gut Nacht
Robert Schumann (1810–1856) / Clytus Gottwald (1925-2023)
Mondnacht
An die Sterne
Claudio Monteverdi (1567–1643)
Sfogava con le stelle
Edward Elgar (1857–1934)
Serenade
Max Reger (1873–1916)
Ich hab die Nacht geträumet
Ludwig van Beethoven (1770–1827) / Jaakko Mäntyjärvi (*1963)
Erlkönig
John Wilbye (1574–1638)
Draw on Sweet Night
David Lang (*1957)
I Lie
Knut Nystedt (1915–2014)
Immortal Bach
James MacMillan (*1959)
O Radiant Dawn